PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fahrbericht Fiat Novo UNO, oder: das schlechteste Auto das ich je gefahren habe...



MadMax
06.02.2014, 20:02
Hallo meine lieben Freunde der italienischen Fahrzeugbaukunst...

Ich habe heute meine Urlaubsbilder durchgeschaut und etwas sortiert und bin dabei wieder an ein paar unvergessliche Tage mit dem schlechtesten Auto das ich je gefahren habe erinnert worden.
Da dachte ich mir, da ich gerade sonst nichts nennenswertes zu sagen habe, schreibe ich mal einen Fahrbericht zu dieser trotz allem wunderbaren Woche mit einem Auto das hoffentlich die wenigsten von uns mal fahren müssen.


Hier also mein Fahrbericht:

Zum Glück kann ich hier von einem Auto schreiben das ich nicht mein eigen nenne sondern eine Leihgabe der Schwester meiner Freundin war, ein knallroter Fiat Novo Uno 1,0 Vivace!


5741457415

Sagt euch nichts? Macht nichts, EU-Richtlinien sei dank wurden wir in Europa vor diesem Kackfass verschont.

Der immer müde 1,0l 8V Motor entwickelt zumindest auf dem Papier kapitale 73 bzw. 75PS (Benzin/Ethanol) und ein Drehmoment von... ach lassen wir das... so ein erbärmliches Leistungsdiagramm hab ich noch nicht gesehen...

57416

Zumal die Leistung es schafft sich hervorragend im Verborgenen zu halten, auch bei genauerer Suche konnte ich sie nicht finden.
Das mir anvertraute Exemplar hatte etwa 25-30tkm auf dem Tacho und wüsste ich nicht das der Tachostand echt ist, hätte ich geschworen das es mindestens das 10fache an Kilometern hinter sich hat, wobei ich fairer weise dazu sagen muss das hier die schlechten Straßen die meisten Defekte im Fahrwerksbereich verursacht haben und auch bei vielen besseren Autos mit dieser Laufleistung auftreten.
Vom Klappern, Scheppern und Klopfen aus dem Bereich Vorderachse und Radlager ringsum daher mal abgesehen schüttelte sich das Auto im Stand so stark das man in den Rückspiegeln nichts mehr erkennen konnte und einen faszinierenden Brummton erzeugte den man sonst nur von Bären kennt, Abhilfe schaffte der rechte Fuß der ständig etwas auf dem Gaspedal lag und die Leerlaufdrehzahl auf etwas über 1000 u/min anhob.
Eventuell ist er etwas besser wenn er neu aus dem Werk kommt aber mal ehrlich, welches Auto ist schon lange neu und was sind schon 30tkm!?

Erst mal beschleunigt ist man dann ständig beschäftigt die Spur zu halten und auf der Suche nach dem richtigen Gang, soviel sei gesagt, in den ca. 2tkm die ich gefahren bin habe ich ihn nicht gefunden, nie!
Ist der Gang zu hoch bleibt man fast stehen, ist er zu niedrig versteht man sein eigenes Wort nicht mehr so laut wird der Motor, beschleunigt wird leider auch dann nicht. Furchtbar gespreizt und schrecklich zu schalten quält man sich so durch den Verkehr und ist ein Hindernis sobald die geringste Steigung auch nur am Horizont auftaucht, die Antipathie gegenüber Steigungen mit mehr als 0% war beeindruckend und mit großem Abstand das anstrengendste, wenn man dank fehlender Leistung keinen Anlauf nehmen kann wird jeder Hügel zur Qual und hupende LKW rasen schwarz rußend an dir vorbei.
Wie es der Zufall so will sind wir dann also mit genau diesem Fahrzeug in einen Nationalpark, ein wunderschönes Mittelgebirge gefahren, voller Steigungen in allen erdenklichen Winkeln, Kilometer langen Irrfahrten über enge Sandpisten mit riesigen Schlaglöchern und einem Ausflug in ein traumhaft schönes Dorf das man nur über eine steinige Straße erreicht die auf den ersten Blick nur mit Allrad und gigantischer Bodenfreiheit zu bewältigen ist, also genau das wofür dieses Auto NICHT gebaut wurde.


5741257413 (die leider einzigen beiden Bilder die ich von diesem Meilenstein der Au***obilgeschichte gemacht habe...)

Womit ich dann auch bei den positiven Punkten bin, egal wie schlecht, langsam und erbärmlich mitleidserregend dieser Fiat ist, auch wenn ich den ersten Gang häufiger und länger als die anderen Gänge zusammen benutzen musste, der ach so sparsame 1,0 8V Motor dann doch ganz schön durstig ist und die Klimaanlage bei jedem Berg abgeschaltet werden muss, danach aber gleich wieder an weil es sonst so heiß wird das man fast erstickt, wir sind überall dort hin gekommen wo wir hin wollten und auch nur ein mal mit leuchtender Motorkontrollleuchte liegen geblieben und das konnte ich zum Glück mit wenigen Handgriffen selbst beheben, der lieblos lose auf dem Motor liegende Ansaugrüssel hatte sich auf einer der Steinpisten gelöst weshalb er dann Falschluft zog.

Weiterhin will ich positiv erwähnen das dieses Auto OHNE Airbag ausgeliefert wird (gegen Aufpreis gibt es aber Fahrer-und Beifahrerairbag) was im Falle eines Unfalles dein Leben retten kann da durch die Explosion des Airbags sonst ganz sicher das grauenhafte Hartplastik Armaturenbrett in tausende messerscharfe Splitter brechen und sich durch deinen Oberkörper bohren würde, da haben die Ingenieure endlich mal nachgedacht ;-)
Und wer jetzt denkt dafür ist das Scheißteil wenigstens billig... mindestens 9000,-€ in der absoluten Grundausstattung in einem Land in dem das Durchschnittsgehlt bei unter 600,-€/Monat liegt sind kein Schnäppchen!

Ach so, es ist natürlich geräumig und so :roll:


Fazit meiner kleinen Reise:
Wann immer ihr könnt, macht einen Bogen um dieses Auto, ganz im ernst, es ist das schlechteste das ich je gefahren habe!


In diesem Sinne, noch einen schönen Abend, in der Hoffnung irgend jemand eines Tages mit diesem Bericht geholfen zu haben ;-)

Gruß Maxi

Etapp
06.02.2014, 22:24
Danke Maxi für diesen wirklich tollen Fahrbericht!

Ist zwar schon 20 Jahre her, erinnert mich aber ganz stark an meinen ersten Urlaubs-Mietwagen auf Malle, ein fast neuer Seat Marbella (nicht mal 5.000 km auf dem mechanischen Tacho) - abgesehen vom ebenso nicht vorhandenen Federungskomfort und dem herzkranken 40 PS Motörchen durften wir uns noch darüber freuen:
- die fehlende Klimaanlage (unterstützt durch ein Gebläse mit zwei Stufen AUS-EIN) wurde durch sowohl Fahrer- als auch Beifahrertüre ersetzt, welche in unregelmäßigen Abständen während der Fahrt selbständig öffneten, und somit für Durchzug sorgten
- bereits am ersten Tag entschied sich die Scheibe der Beifahrertüre ihr Heil innerhalb der Türe zu suchen und verschwand auf nimmerwiedersehen in selbiger
- die Bremsanlage versuchte tortz stärkstem Druck aufs Pedal stets ihr Möglichstes den Wagen auf den Fahrradreifen angemessen zu verzögern, gab aber letztlich immer pfeiffend auf
- einmal hatte es sogar geregnet! Der Marbella hat ja serienmäßig zwei Wischer an der Frontscheibe, die auch zweistufig geschaltet werden (also AUS-AN) - leider versagte der Wischer bereits beim ersten hin-her seinen Dienst und wollte auch nicht wieder in die Ursprungsstellung nahe der Motorhaube zurück, sondern hing seitdem mittig in der Frontscheibe
- ach ja: die Sitze! Es gab davon zwei einzelne vorne und eine hinten über die gesamte Wagen-Schmäle. Diese Sitzmöglichkeiten als Küchenstuhl zu bezeichnen wäre wohl eine Beleidigung für jeden echten Küchenstuhl!
- Wir waren ja mit der Familie zu viert unterwegs, also mussten wir zwangsläufig auch die Vorder-Küchenstuhl-Lehnen umklappen, wenn die hinteren Passagiere zu- oder aussteigen wollten. Das hatte am ersten Tag auch anstandslos geklappt, am zweiten Tag liessen sich die Lehnen aber nicht mehr in ihrer hinteren Position verriegeln - damit hatten hatten wir dann wenigstens verstellbare Rückenlehnen für Fahrer und Beifahrer
- wenigstens die Scheinwerfer waren optimal: einer beleuchtete einen Bereich am Boden von ca 0,5 mtr vor dem Wagen, der andere wurde scheinbar von einem Flag-Schützen eingestellt und versuchte die Baumkronen um uns herum zu illuminieren - beiden gelang dies aber leider nur mehr schlecht als recht, da die Leuchtkraft dazu nicht wirklich ausreichend war

Ich will aber nicht nur negativ von diesem Fahrzeug sprechen, es gab durchaus auch positives:
- die Heckklappe ging NIEMALS unkontrolliert während der Fahrt auf - eigentlich ging sie überhaupt nicht auf, auf mit grösster Mühe und Gedult
- die Klappe vom Handschuhfach ging auch nicht von alleine auf - gab es nämlich nicht, dafür ein Loch, in dem kleinere Sachen sich in Richtung Beifahrerfußraum verabschiedeten
- der Plastikbezug der Sitze ließ sich problemlos reinigen - lediglich bei festgebrannter Haut der Oberschenkel mussten wir etwas kratzen
- insgesamt waren wir mit dem Wagen äußerst zufrieden, denn soviel Kontakt zu Einheimischen hatten wir davor noch nie. Durch den kleinen Tank waren wir bereits nach drei Tagen bei jeder Tankstelle bekannt und wurden immer freundlich begrüsst, und weil der Anlasser nicht immer willig seinen Dienst tat, halfen uns gefühlt die Hälfte der Einheimischen beim anschieben
-