PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : protezione contro la corrosione: Rostschutz!



dr.house
05.06.2012, 17:20
(Wenn's gefällt, bitte zur Reparatur verschieben, danke!)

Da anscheinend eine Menge Fehlinfos oder/und Erklärungsbedarf zum Thema Rostschutz, Rostentfernung, Hohlraumversiegelung etc. besteht, hier mal mein mühsam erlesenes und erarbeitetes Wissen :wink: dazu:

Allgemeines:

Rost entsteht als Oxidationsprodukt aus Eisen oder Stahl mit Sauerstoff und Wasser. Das bedeutet schlicht und ergreifend, dass jede ungeschützte Stahloberfläche zu korrodieren beginnt. Ab Werk sind Fahrzeuge durch Grundierung, Lack, evtl. Verzinkung und z.T. eingebrachte Wachse sowie Steinschlag-/ Unterbodenschutz vor Rost geschützt. Fahrzeuge rosten:


Am Unterboden: Durch Beschädigung des Unterbodenschutzes. Risse in PVC-/Bitumenschichten lassen Wasser und Schmutz unter die Beschichtung gelangen, diese kann (zunächst unsichtbar!) unterrostet werden. Natürlich können auch mechanische Beschädigungen zu Unterbodenrost führen (Materialabtrag durch Aufsetzer, Wagenheber usw.);
In Falzen: Überall, wo zwei Bleche aufeinandertreffen, hat Wasser und Schmutz ideale Chancen, sich ungehindert zu sammeln. Überall, wo Bleche miteinander verschweißt werden, wird zudem am Schweißpunkt eine bestehende Schutzschicht (Grundierung, Verzinkung, Schweißprimer) aufgelöst, so dass sich dort nur noch blankes Metall befindet.
In Hohlräumen: Feuchtigkeit in der Luft kondensiert bei sinkenden Temperaturen, auf Blechen setzt sich somit Wasser ab. In Hohlräumen dringt dieses in Kanten und Falze ein, aus denen es nicht ablaufen kann. Zusätzlich zu dieser permanent stattfindenden Benetzung sammeln sich in den Hohlräumen Schmutz und Salze aus dem Luftsauerstoff, die z.T. mit dem bereits vorhandenen Wasser aggressive Säuren bilden, die Grundierschichten und (sofern überhaupt vorhanden) Schutzwachse angreifen und schließlich anlösen, bis Korrosion entsteht. Hier rostet das Blech dann von innen nach außen.
Wassereinbrüche: Hier ist vom (Vor-) Besitzer geschludert worden, denn i.d.R. fällt ein Wassereinbruch bei der regelmäßigen Pflege auf. Dringt Wasser ungehindert über einen langen Zeitraum in den Innenraum ein, wird es im Endstadium, nachdem Teppiche und Dämmmatten kpl. durchmodert (!) sind, das Bodenblech von innen rosten lassen.

Rostfreie Gebrauchtfahrzeuge kann es also im eigentlichen Sinn nicht geben, denn vermutlich bei jedem Fahrzeug, das älter als vielleicht 4 Jahre ist, dürfte an irgendwelchen der genannten Stellen Korrosion vorhanden sein. "Aüßerlich rostfrei" wäre also treffender. Und klar, die Karosserie des Autos wird ja i.d.R. auch gepflegt, regelmäßig gewaschen, Kratzer und Steinschläge geschützt usw.; aggressive Substanzen also entfernt, bevor sie Schäden anrichten können. Am Unterboden, an Falzen und in Hohlräumen sieht das schon ganz anders aus.

Behandlung:

"Wo Öl ist, ist kein Rost". Da ist was 'dran, man sollte es vielleicht noch um Fett und Wachs ergänzen. Ganz generell ist es ohnehin immer ein guter Tipp, am Auto eine "wasserunfreundliche" Umgebung zu schaffen, den Lack also mit Wachs zu schützen, Kunststoffe und Gummis mit silikonhaltigen Mitteln (auch das gute, alte Hirschtalg ist klasse!), Verschraubungen mit Öl und Fett, den Unterboden mit Wachsen usw.


Am Unterboden: Der Unterboden sollte zunächst nach Rostnestern abgesucht werden. Im besten Falle zeigt sich dieser makellos, oberflächlicher Rost kann generell leicht mittels Drahtbürste etc. entfernt und anschliessend chemisch entrostet und konserviert werden. Durchrostungen sind ein Fall für die Flex :cry: und neue Bleche.
Oberflächlicher Rost muß nach der groben, mechanischen Entfernung mit einem Roststopper behandelt werden, Fertan hat sich hier als erste Wahl erwiesen. Nach der Einwirkzeit wird Fertan einfach abgewaschen und kann anschließend mit einem geeigneten Oberflächenschutz (Lack, Wachs, Steinschlagschutz) versiegelt werden.
Ist der (PVC-)Unterbodenschutz noch intakt und fest mit dem Blech verbunden, kann dieser nach einer gründlichen Reinigung mit Ovatrol eingestrichen werden. Ovatrol durchdringt die PVC-Schicht bis zum Blech, stoppt mögliche Rostanfänge und versiegelt den Schutz gegen Luft und Feuchtigkeit. Bei älteren Fahrzeugen mit Bitumen-Unterbodenschutz ist Fluid Film die bessere Wahl. Schadhafte Stellen sollten zudem mit einem Unterboden- oder Steinschlagschutz auf Wachsbasis ausgebessert werden. Wachsprodukte sind sehr viel zäher, elastischer und langlebiger als PVC- oder Bitumenprodukte und dichten zudem besser ab.
In Falzen: An Blechfalzen, die bereits Pickel oder Aufwerfungen zeigen, muss zunächst der Rost bis aufs blanke Blech abgeschliffen werden. Durchrostungen müssen immer entfernt, das befallene Blech also ausgeschnitten werden. Meist ist jedoch nur oberflächlicher Rost vorhanden, der nach der mechanischen Entfernung mit Fertan eliminiert werden kann. Bevor jedoch der Lackaufbau mit Grundierung, Decklack und Klarlack erfolgt, sollte IN den Falz Ovatrol eingebracht werden. Ovatrol ist dreimal dünnflüssiger als Wasser und dringt in kleinste Öffnungen ein- man kann es mit dem Pinsel in den Falz "drücken" (diesen evtl.mit einem Cuttermesser vorher anritzen) oder auch mit einer Spritze injizieren. Ovatrol ist ein Farbkriechöl mit hohem Roststopppotential, welches nach der Durchtrocknung wie ein elastischer Klarlack aushärtet und den Falz so kpl. versiegeln kann. Da Ovatrol nicht mit 2K-Lacken harmoniert, muss das überschüssige Öl vor der Trocknung gründlich entfernt werden, es empfiehlt sich ohnehin, den Falz nach der Durchtrockung des Ovatrol noch mit überlackierbarer Karosseriedichtmasse zu versiegeln.
Diese bildet auch eine gute Trennschicht zum anschliessenden Lackaufbau.
Wo immer möglich, sollte der Falz auch von der Rückseite konserviert werden, also durch eine Blechöffnung mittels Hohlraumsonde ein Rostschutz eingebracht werden. Hier empfiehlt sich Fluid Film, welches nicht nur stärksten Rostbefall zuverlässig stoppt, sondern zudem wie ein Wachs konserviert. Fluid Film hat massive Kriecheigenschaften und erreicht auch kleinste Ecken und Kanten, was es für den "Hausgebrauch" optimal macht. Fluid Film kann bereits mit der Spraydose eingebracht werden und erzielt dabei ein gleich professionelles Ergebnis zur Spritzpistole.
In Hohlräumen: Hohlräume können durch Bohrungen, Ablauföffnungen etc. erreicht werden, Schweller zudem auch nach Demontage von Interieur, Teppich etc. auch von innen. Bei einem freigeräumten Fahrzeug können die Schweller mit fliessendem Wasser durchgespült werden. Klingt zunächst paradox, ist aber sinnvoll, da so der ganze Schmutz und vorhandene Oxidationsprodukte ausgespült werden. Und wie gesagt- die Hohlräume sind ohnehin "feucht". Nach dieser "Radikalkur" können die Hohlräume mittels Pistole mit Fertan geflutet werden, nach der Einwirkzeit wird dieses mit Wasser ausgespült. Anschliessend erfolgt nach gründlicher Durchtrocknung die Hohlraumkonservierung mit einem geeigneten Wachs, auch Fluid Film ist dafür sehr gut geeignet.

Wer nicht das halbe Fahrzeug zerlegen will :wink:, kann die Hohlräume auch einfach mit Fluid Film behandeln und dürfte ein beinahe gleich gutes Ergebnis erzielen. 3-4 Liter reichen für die kpl. Hohlraumbehandlung eines PKW inkl. Haube und Kofferraumdeckel. Es bringt übrigens gar nichts, einfach nur ein Hohlraumwachs ohne roststoppende Eigenschaften in die Hohlräume zu sprühen, da dieses den Rost nicht durchdringt sondern quasi auf dem Rost "liegenbleibt", während dieser darunter fröhlich weitergammelt. Hohlraumwachse eignen sich nur für rostfreie (Neuwagen!) oder vorbehandelte Hohlräume. Dann aber spielt ein Hohlraumwachs seine Eigenschaften wie Rostschutz, Wasserverdrängung und Konservierung voll aus.

Ich persönlich halte Fluid Film für den Do-it-yourselfer geeigneter als das vielgerühmte Mike Sanders Fett. Fluid Film bietet den Vorteil, dass es auch mit stärkstem Rost fertig wird und durch die Öl/Wachsmischung auch bei niedrigen Temperaturen kriecht. Es trocknet niemals vollständig, muss jedoch nach 3-4 Jahren wegen der hohen Kriecheigenschaft aufgefrischt werden. Es kann aber auch nach etwa einem halben Jahr mit einem geeigneten Wachs (z.B. Fertan HT-Wachs) versiegelt werden, um die Kriechwirkung zu stoppen. Bis dahin hat Fluid Film ohnehin alle Ritzen und Falze erreicht und bildet zusammen mit dem HT-Wachs dann eine elastische, rostschützende Verbindung. My favourite.
Mike Sanders hingegen muss mit professionellem Gerät (bei ca. 100 Grad!) in die Hohlräume eingebracht werden, kriecht aber nach der Trocknung nur bei hohen Außentemperaturen. Findet zudem keine vollumfängliche Verteilung statt kann es passieren, das nicht alle Bereiche des Hohlraums erreicht werden und somit ungeschützt bleiben. Einige Werkstätten empfehlen, das frisch behandelte Fahrzeug für eine gewisse Zeit bei 70 Grad in die Lackierkabine zu stellen, um die Verteilung zu optimieren (was theoretisch dazu führen kann, dass sich das Fett nur an den tiefsten Punkten sammelt). Ich persönlich denke daher, dass Mike Sanders Fett eher für die echte Oldtimerrestauration geeignet ist und eben entsprechend Zeit und Profigerät voraussetzt.

Tja, Alfisti, soweit meine Tipps gegen den Rost. Man kann natürlich auch alles so lassen und den Alfa einfach fahren, extrem ärgerlich und teuer wird es aber, wenn der Rost sich doch irgendwann den Weg nach außen bahnt. Die im besten Sinne semiprofessionelle Behandlung mit den genannten Produkten benötigt vielleicht zwei, drei Wochenenden Zeit und kostet nicht die Welt, dürfte aber die "inneren Werte" der Bella erheblich erhöhen und vor allem langfristig die Freude am schönen Auto erhalten. Meine praktischen Erfahrungen basieren auf der 147, die dankenswerterweise ab Werk verzinkt ist (ich konnte allerdings keine Hohlraumkonservierung ab Werk entdecken), ältere Alfa haben aber bekanntlich z.T. gravierendere Rostprobleme. Die von mir favorisierten Produkte Fertan, Ovatrol und Fluid Film sind im Übrigen gar nicht oder mindergiftig und relativ umweltfreundlich. Und wer Fragen hat, kann die gerne stellen. Ich übernehme natürlich keine Haftung für meine Tipps und erhebe auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder sonstwas. Empfehlen kann ich zudem korrosionsschutzdepot.de (http://www.korrosionsschutzdepot.de), die mit Kompetenz und Freundlichkeit mit Rat und Tat zur Verfügung stehen (und natürlich auch die Produkte verkaufen :wink:).

mtbmax
06.06.2012, 16:07
Richtig toller Bericht:thumb:

Konservierung steht bei mir demnächst auch an.:wink:

Frage: Wieviel von dem Fluid Film Zeugs geht denn in so eine 156 rein?

Grüße Max

dr.house
07.06.2012, 13:25
Richtig toller Bericht:thumb:

Konservierung steht bei mir demnächst auch an.:wink:

Frage: Wieviel von dem Fluid Film Zeugs geht denn in so eine 156 rein?

Grüße Max

Danke und theoretisch wahrscheinlich mehrere hundert Liter ;-)

Es kommt ja nicht auf die Menge an, genug ist immer besser als zuviel. 3-4 Liter reichen locker für einen PKW inkl. Hauben, Türen und Träger. Bei der 147 haben knapp 3 Liter völlig ausgereicht. Die Faustregel ist es, Fluid Film mittels Hohlraumsonde einzusprühen, bis es außen aus den Ritzen tropft. Verwendest Du die Spraydose mit Hohlraumsonde (geht super!) dürften so ca. 300-400 ml pro Schweller völlig ausreichend sein, also maximal 2 Dosen für beide Schweller. Fluid Film lässt sich nur in einer relativ dünnen Schichtstärke auftragen, jedes "Zuviel" wird dann unweigerlich 'raustropfen. Ich hatte zunächst ziemliche Probleme mit ständigem Austritt aus der Motorhaube und den Türböden, gerade bei Hitze. Ich habe dann vorzeitig den Endschutz Fertan HTWachs in die Türen und die Hauben eingesprüht, das mischt sich mit dem Fluid Film und lässt die Oberfläche etwas aushärten, so dass dieses extreme Kriechen gestoppt wurde (aus dem Kofferraumdeckel läuft aber immer noch was 'raus). Mich haben die ständigen Fettflecken schnell genervt, auch der Türgummi am Boden der Türen quillt durch Fluid Film leider auf, ist halt Billiggummi. Das mit dem Wachs ist nicht zwingend nötig, Du solltest aber dann nach 3-4 Jahren das Fluid Film erneuern, um wieder eine Nachbenetzung zu erzielen. Aber keine Sorge, an den wirklich kritischen Stellen in den Hohlräumen bleibt Fluid Film liegen, die Verteilung ist perfekt (sonst würde auch nichts austreten). Ach ja, und das "Aroma" von Fluid Film, welches mich am Anfang im Innenraum ziemlich genervt hat, verfliegt nach 2 oder 3 Wochen, mittlerweile riecht man gar nichts mehr davon.